Heute Morgen fragte mich eine Freundin, ob ich auch eine Mail bekommen hätte von einer Nähmaschinenverkaufsseite, die die Top 100 Blogs zum Thema nähen gewählt hat. Sie gab mir auch den Link zu diesen Top 100 Blogs. Allerdings finden sich dort aktuell nur 18 Blogs. Aber immerhin teilweise sehr bekannte Seiten aus der Nähszene.
In der Mail gratulierte man meiner Freundin, dass ihr Blog zu den Top 100 Nähblogs 2012 von der Redaktion gewählt wurde. Sehen wir mal davon ab, dass man vergessen hat in den vorgefertigten Text die Webadresse zu ergänzen und ihr somit gleich zu ganz wordpress.com gratulierte.
Als nächstes wurde ein Artikel zum Thema nähen besonders gelobt und verlinkte die ganze Kategorie. Ist auch einfacher die gesamte Kategorie zum Thema zu loben statt wirklich etwas davon zu lesen und einen einzelnen Artikel aus ihrer Sicht zu beleuchten.
Jetzt gabs den Link zu der Seite der Gewinner. Da waren wirklich teilweise bekannte Seiten der Nähszene aufgeführt. Allerdings standen da nur 18 von 100. Aber ok, in der Mail wird ja auch gefragt, ob man die Wahl annehmen möchte (gehts um den nächsten Bundespräsidenten?). Dann wird man “selbstverständlich kostenlos” der Liste hinzugefügt. Große Fragezeichen bei mir. Was ist das für eine Wahl, bei der man jemanden fragt, ob er als Gewinner aufgeführt werden möchte und warum muss man dabei erwähnen, dass es umsonst ist? – Aus Marketingsicht natürlich sehr clever. Die 18 Großen der Nähszene schaffen Vertrauen. Man denkt “Wenn die dabei sind, kann es ja nicht schlecht sein.”. Und man fühlt sich geschmeichelt, dass das eigene Blog quasi in einem Atemzug mit den Großen genannt wird. “Selbstverständlich kostenlos” suggeriert, es gibt etwas umsonst. Schnell zugreifen, eh es weg ist ruft spontanes Ja-sagen auf den Plan.
Natürlich bekommt man zum Gewinn auch ein Siegel, mit dem man sein Blog “aufwerten” kann. Spätestens hier sollten die letzten hellhörig werden und sich das alles genauer anschauen. Das hab ich dann getan und einige Dinge festgestellt, die ganz leicht zu sehen sind. Vorrausgesetzt, man weiß, auf was man achten kann/sollte.
Grundsätzlich hat auch im Internet niemand etwas zu verschenken. Das Ganze ist auch hier ein geben und nehmen und uns ist allen klar, dass Blogs zur Werbung eingesetzt werden. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, solang es fair und transparent für beide Seiten ist. Ich habe in meinem alten Blog auch Werbung gemacht für Bücher oder auch für einen Hersteller von Kindersicherheitsprodukten. Ich wusste, dass ich das Produkt bekomme und im Gegenzug einen Bericht darüber schreibe. Da finde ich auch weiterhin nichts schlechtes dran und würde es weiterhin tun, wenn die Bedingung für mich in Ordnung sind.
Was ich gar nicht leiden kann ist, wenn man mich für doof verkaufen will. Im Zuge des Aufbaus meiner anderen Blogs habe ich mich auch mit der Vermarktung beschäftigt und kann sagen, dass ein Link zu meiner Website einen Wert hat. Grob erklärt bedeutet das, dass eine Website, die nur wenig Backlinks hat, von den Suchmaschinen auch weiter hinten aufgelistet wird. Da spielen noch mehr Sachen rein, aber Backlinks sind wichtig. Und weil sie wichtig sind, gibt es dafür sogar einen Markt. Dort kann ich Leute dafür bezahlen, dass sie einen Link zu meiner Seite in ihrer Website einbauen.
So zurück zur besagten Wahl. In diesem Fall ist es nämlich so, dass man sich erhofft, die Bloggerinnen fühlen sich geehrt und packen sich stolz das Siegel auf ihr Blog. Damit es auch wirklich jeder hinbekommt, gibts auch gleich eine Seite mit dem entsprechenden Code für das Siegel in verschiedenen Größen. Da ist dann auch der Backlink zur Website eingebaut. Und zwar nur auf die Hauptseite. Das ist erwähnenswert, weil es nämlich von der Hauptseite aus nur eine ganz versteckte Möglichkeit gibt auf die Seite mit den gewählten Blogs zu kommen. Das heißt, jeder, der sich das Siegel in sein Blog baut, setzt nicht nur einen Backlink sondern macht gleichzeitig auch noch Werbung ohne einen wirklichen Gegenwert zu bekommen, denn Leute, die von einem anderen Top 100 Blog kommen, können die anderen gewählten Blogs nur einsehen, wenn sie sich auf die intensive Suche nach dem Link machen. Ausserdem ist die Seite so klein und unbedeutend am Nähsternchenhimmel, dass man das Siegel getrost als lächerlich ansehen kann.
Meine Freundin nannte dieses Verhalten frech. Ich finde es ebenfalls unverschämt. Leider ist sowas kein Einzelfall und ganz offensichtlich sind die PR-Abteilungen der Meinung, bloggende Frauen sind dämlich und lassen sich für ein unbedeutendes Schleifchen im Blog kaufen.
Was tut ihr also, wenn das nächste Mal eine Mail reinflattert, in der euch etwas kostenlos angeboten wird? Euer Blog als Werbefläche betrachten. Fragt euch, ob euch das Produkt in der angebotenen Menge wertvoll genug erscheint um dafür Werbung zu machen und vergesst dabei nicht, dass Werbung die Firmen in der Regel sehr viel Geld kosten.
Schaut genau hin, wenn ihr einen Award, eine Auszeichnung etc verliehen bekommt (Ausnahmen sind die eurer Bloggerfreunde, die da ab und an rumgehen und ich als völlig unsinnig erachte), was der jenige davon hat und was ihr davon habt. Nicht jeder Preis verdient es, als solcher bezeichnet zu werden.
Werbung in Blogs wird gebraucht. Davon bin ich überzeugt. Ich habe auch welche in meinen, von denen ich unter anderem die Hostinggebühren zahle, sonst würde ich das wohl gar nicht machen (abgesehen von diesem privaten hier). Auch die Idee mit den 100 Top Blogs ist an sich nicht schlecht. Die Seite müsste allerdings deutlich bekannter sein (ich würde mir sofort ein Farbenmixsiegel hinkleben, wenn sie sowas richtig machen würden), eine öffentliche Wahl oder zumindest die Auswahlkriterien und Bewerbungen der einzelnen Blogs vorstellen sowie den Link zu den ausgewählten Blogs deutlicher kennzeichnen und nicht irgendwo verstecken.
So, wie es jetzt abgelaufen ist, hat es für mich den faden Beigeschmack, dass da jemand “selbstverständlich kostenlos” Werbung haben wollte, für eine Seite die auch nur dem Verkauf dient und sonst keinen Mehrwert für den Besucher bietet.